Freitag, 4. Oktober 2013

Was läuft hier schief?

Als Mutter in Elternzeit lebe ich am Rande der Gesellschaft, sogar in der geburtenreichsten Stadt Deutschlands.
 
Ich fühle mich als Außenseiterin, weil ich Dinge mit meinem Kind und nicht für mein Kind unternehmen will. Aber wo ist das schon möglich? Mein Kind wird sich wohl kaum in 20 Jahren bei mir bedanken, dass wir zusammen beim Babyschwimmen, Musikkurs, Krabbelkurs oder was auch immer waren. Wichtig ist doch nur, dass ich eine zufriedene, ausgeglichene Mutter bin. Ich will meine eigenen Bedürfnisse nicht aus falschem Pflichtverständnis vernachlässigen.
 
Ein Bauchtanzkurs für frische Muttis, bei dem auch der Nachwuchs willkommen ist, geht da schon in die richtige Richtung. (Ja, den gibt es in Dresden wirklich!) Nur sind solche Angebote äußerst selten zu finden. Meist besuchen Erwachsene in Elternzeit diverse Kurse mit ihren Sprösslingen, um „mal raus“ zu kommen und um den lieben Kleinen etwas zu bieten – sei es Unterhaltung in irgendeiner Form oder die Zusammenkunft mit anderen Kindern. 
 
Aber seien wir doch mal ehrlich: im Endeffekt ist es kleinen Kindern doch völlig egal, wo sie sind und wer da noch ist, solange ihre jeweiligen Bezugspersonen dabei sind, die einen entspannten Eindruck machen und sie die Welt entdecken lassen. 
 
Sehr deutlich kann ich fast jeden Tag auf Spielplätzen beobachten, wie Eltern und besonders Großeltern „nur das beste“ für ihre Kinder und Enkel wollen und dabei völlig aus dem Blick verlieren, was diese in Wirklichkeit viel dringender bräuchten.
 
„Komm, wir gehen auf die Rutsche! Komm, ich heb dich auf das Klettergerüst! Pass auf, dass du nicht hinfällst! Sei vorsichtig, da geht es tief nach unten! Tu dir nicht weh! Willst du nicht lieber schaukeln? Nimm doch mal die Schaufel und backe einen Kuchen!“
 
Früher oder später kann ich dann beobachten, wie das Kind entweder völlig verunsichert und ängstlich wird, einen Ausraster bekommt, der sagt „Lass mich in Ruhe!“ oder seine erwachsene Begleitung völlig ignoriert. Ich beobachte die Bemühungen der Erwachsenen und sehe gleichzeitig die Abwehrreaktionen der Kinder. 
 
Woher kommt dieses verkorkste Beziehungsverhältnis?
 
Ich kann mir vorstellen, dass einige Faktoren dahinter stecken, denen das Streben der westlichen Welt nach Fortschritt zugrunde liegt. 
 
Eltern wollen ihre Kinder vor Gefahren beschützen. Daran ist nichts Falsches zu erkennen. Doch scheinen sie nicht mehr zu wissen, was ihre Kinder eigentlich von sich aus schon alles können und wie viel Schutz sie in Wahrheit benötigen.
 
Das mag daran liegen, dass Familien nur noch einen Bruchteil ihrer Lebenszeit gemeinsam verbringen. So fehlt Eltern und andern Bezugspersonen die Zeit, ihre Kinder in Alltagssituationen zu erleben und zu beobachten und es kommt kaum noch echte gegenseitige Teilhabe an den jeweiligen Interessen des anderen zustande.
 
Die gemeinsame „freie Zeit“ wird dann mit allerlei spaßigen Unternehmungen und Aktivitäten gefüllt, die nichts mit dem wahren Alltagsleben zu tun haben und die eigentlich für niemanden wirklich notwendig sind. Doch was ist heutzutage überhaupt noch notwendig? Jagen und Feuer machen sicher nicht. In den Vordergrund rücken vielmehr Interessen und Hobbys.
Wenn ich ein Kleid nähe oder eine Hütte baue, weil mich das begeistert und daher für mich persönlich in dem Moment notwendig ist, kann ich meine Kinder auch daran teilhaben lassen, wenn sie es möchten. Im Gegenzug dessen lasse ich meine Kinder in einer für sie geeigneten Umgebung frei spielen und wende mich gelegentlich interessiert ihren Tätigkeiten zu. Nur so entsteht echte Interaktion.
Diese Form des Zusammenseins ist nicht status- oder verdienstabhängig, sie ist einfach ehrlich und beziehungsfördernd. Doch wollen Eltern ihren Kindern heutzutage ja „etwas bieten“ oder „was ganz besonderes machen“. Diese Ideen entspringen ganz klar einer Konsum- und Leistungsgesellschaft und gehen völlig an den wahren Bedürfnissen unserer Kinder nach Zuwendung und Orientierung vorbei.  

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Alternativschulen alles andere als frei


Ich frage mich, warum zahlreiche Alternativschulen ein Einfügen ins bestehende staatliche System anstreben. Widerspricht das nicht völlig dem Anspruch, eine echte Alternative zum bestehenden Angebot sein zu wollen?

Da werden an der Freien Montessorischule ab einer bestimmten Altersstufe Noten erteilt, es wird auf staatliche Schulabschlüsse vorbereitet und nach dem Lehrplan gearbeitet. Das klingt für mich alles andere als frei. Und wenn es dann noch verbindliche Stoffvermittlungseinheiten für alle Schüler einer Altersgruppe oder eine zwingende Anwesenheitspflicht bei diversen Gruppenveranstaltungen gibt, hat das für mich nichts mehr mit freiem, alternativen Lernen zu tun.

Da wird zudem den Schülern – hört, hört – die Möglichkeit gegeben, in Tages- und Wochenkreisen ihre Meinungen und Wünsche zu äußern (meist ohne dass ihre Stimmen bei Entscheidungsprozessen von Belangen wären) und dies wird dann als aktive Beteiligung am sozialen Leben in der Schule verkauft. Lernziele und Pläne werden munter ausformuliert, natürlich in Absprache mit dem Schüler – als wenn es besser wäre, ihn zu nötigen sich seines spontanen Lernweges selbst zu berauben. Dann kann man ihm auch gleich einen fremdbestimmten (Lehr-)Plan aufzwingen.

Alternativschulen müssen doch längst verstanden haben, dass man Lernen nicht vorherbestimmen kann und nur ein echter Erkenntniszuwachs entstehen kann, wenn sich die Wissensaneignung ungelenkt in alle Richtungen ausbreiten darf.

Warum nennen sich die erwachsenen Mitarbeiter einer Alternativschule immer noch „Lehrer“? Sind sie sich ihrer veränderten Rolle als Lernbegleiter und Mentoren noch nicht bewusst, wollen sie an alten Traditionen festhalten oder fürchten sie gar einen gesellschaftlichen Statusverlust?

Alternativschulen verkommen zu einem lächerlichen Abklatsch unfreier staatlicher Schulen, wenn ihre hierarchischen Strukturen nicht aufgehoben und keine echten freien Lernumgebungen für Schüler geschaffen werden.

Welche Schulen in Deutschland pflegen denn nun eine freie, demokratische Lernkultur?

Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, diese ausfindig zu machen und gesammelt zu listen um sie von den „Quasi-unfreien“ abzugrenzen, denn es ist notwendig, Klarheit zu schaffen, an welchen Institutionen ein respektvoller Umgang mit den Grundrechten der Kinder wirklich angestrebt und umgesetzt wird und wo nicht.

Worum es geht

Folgende Aussagen sollen aufzeigen, worum es in diesem Blog zukünftig gehen wird.

Ø Bildung funktioniert auch ohne Schulpflicht

Ø Schulpflicht schränkt die Grundrechte der Kinder ein

Ø Schulanwesenheitspflicht muss verboten werden

Ø Lehrpläne unterdrücken die Persönlichkeitsentwicklung

Ø Wir brauchen eine vielfältigere Bildungslandschaft

Ø Freiheitlich-demokratische Bildungsmodelle müssen mehr staatliche Unterstützung finden

Ø Bewertungen und Benotungen generieren Konkurrenzdenken und behindern das Miteinander- und Voneinanderlernen

Ich freue mich über zustimmende wie kritische Kommentare und hoffe,
Denkanstöße geben zu können. Es muss sich etwas verändern in der
deutschen Bildungslandschaft, denn wir tragen die Verantwortung für das
Wohl unserer Kinder !